Hier finden Sie Texte, die uns dann und wann aus den Fingern fließen. Auch diverse Anträge, Briefe usw. sind an dieser Stelle nachzulesen. Wir veröffentlichen keine anonymen Texte (Ausnahme, wenn dem/der Autor*in dienstrechtliches Ungemach drohen würde) - die Autor*innen sind vollverantwortlich für die Texte und die Inhalte. Die kuli-UG und OELI-UG sind Lehrervereine, die niemandem eine Meinung vorgeben. Es gibt viele verschiedene Ansichten zu den aktuellen Bildungsthemen, auch divergierende innerhalb unseres Vereins. Doch jeder und jede soll seine/ihre Gedanken an dieser Stelle veröffentlichen können. Auf die allgemeinen Anstandsregeln ("Netiquette") wird natürlich geachtet! Und: auch Texte von Nichtmitgliedern veröffentlichen wir gerne - nur her mit den knackig frischen Ideen!
Anregungen, fresh Essays und Einwände bitte an [email protected]
Zur Einführung des neuen Gegenstandes Demokratiebildung in der Unterstufe.
Von Timo Brunnbauer
(Bild: Marco Verch)
Auf großes Interesse stieß die Ankündigung des Bundesministers Wiederkehr, ein neues Fach namens Demokratiebildung einzuführen, nicht wirklich. Wieso das? Ganz einfach deshalb, weil es zwar schon im Frühsommer 2025 klar war, dass dieser Gegenstand kommen solle, doch mangels Details bekam man nicht viel von den Plänen mit.
Mitte September, im Arbeitsweltmuseum Steyr.
Der (Noch)Generalsekretär des Ministeriums, Martin Netzer, war Gast bei der Jahrestagung der IGPB (Interessensgemeinschaft Politische Bildung)1. Ich war eher zufällig anwesend, um ein bisschen über die Politische Bildung an einer PTS bei dieser Tagung zu erzählen.
Somit konnte ich aber ungefiltert den tatsächlich interessanten Ausführungen des höchsten Beamten im UR-Ministeriums zur Sache lauschen.
Was ist geplant?
Bildungsminister Wiederkehr liebt seine Leuchtturmprojekte, das ist als frisch gebackener Minister nur allzu verständlich. Bisher ist neben dem Handyverbot an der Unterstufe und der Streichung hunderter Erlässe noch nicht so rasend viel passiert. Das meiste, was noch kommen soll, wurde bisher lediglich schwammig angekündigt und bedarf noch einer Umsetzung (Schulpsychologie, besondere Unterstützung schwieriger Schulstandorte).
Wir wissen vom Spardruck, wir wissen, dass alle Ministerien einsparen müssen.
Ein neues Fach wird allerdings etwas kosten, der Gegenstand – wenn es so kommt, wie geplant – ganz sicher.
Das Fach Demokratiebildung soll als zusätzliche Stunde in der 5. Schulstufe implementiert werden. Das bedeutet, dass kein anderes Fach in der ersten Klasse der Sekundarstufe gekürzt wird. Das sind doch schon einmal Good News.
Zusätzlich zu dieser Stunde wird es eine Projektwoche zum Thema Demokratie/Partizipation etc geben. Wie dieses Vorhaben konkret ausschauen soll, ist noch Gegenstand von Diskussionen.
Die Inhalte des Gegenstandes werden erst entwickelt, ein großes Vernetzungstreffen des Bildungsministeriums mit AkteurInnen der PolBil bzw. LehrerInnenvertretern gibt/gab es am 15. Oktober. Dabei werden/wurden Rahmenbedingungen diskutiert.
Wer soll diesen Gegenstand unterrichten? Es steht allen LehrerInnen offen, sich einzubringen. Generalsekretär Netzer betonte mehrmals, dass die Vermittlung nicht bei Geschichtslehrkräften hängenbleiben soll. Ebenso darf das Fach Demokratiebildung nicht ein Ableger des Sozialen Lernens (also eine Art KV-Stunde) werden.
Der Gegenstand soll im Schuljahr 2027/28 eingeführt werden. Um einen gelungenen Start zu ermöglichen, wird es im kommenden Jahr Fortbildungsveranstaltungen an den PHs geben. Ein eigener Lehrgang ist vorerst nicht angedacht.
In der anschließenden Diskussion mit den Mitgliedern der IGPB (eben allesamt ExpertInnen auf dem Gebiet der PolBil) war eine grundsätzlich positive Haltung zum geplanten Gegenstand bemerkbar. Manche KollegInnen würden sich wünschen, Demokratiebildung erst in der 8. Schulstufe zu unterrichten, da die Kinder dann schon dem Wahlalter näher wären. Andere meinten, dass das Fach gar kein klassischer Unterrichtsgegenstand werden solle. Sie wären für ein spielerisches, noch „unbelastetes“ Erlernen bzw. Einüben demokratischer Grundregeln in spielerischer Form. Sie sprachen sich für einen frühen Start des Fachs in der 5. Schulstufe aus.
Martin Netzer meinte auch, dass es eine gute Idee wäre, den Gegenstand als Verbindliche Übung anzubieten, also ohne Benotung.
Weitere Einwände und Meinungen wurden kundgetan, auch im Hinblick der Weiterbildung von Lehrkräfte. Martin Netzer betonte mehrmals, das alles noch Work in Progress sei – nichts sei in Stein gemeißelt. Er verwies auf das Auftaktmeeting am 15. Oktober.
Ein eigenständiger Gegenstand Demokratiebildung ist zu begrüßen, wir wissen um die Defizite in dieser Hinsicht bei unseren SchülerInnen.
Die Theorie besagt zur Thematik:
Demokratiebildung bedeutet die Erziehung, Bildung und Befähigung von Menschen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, zu demokratischem Denken und Handeln.
Es geht also darum, dass Menschen lernen:
Werte und Prinzipien der Demokratie (z. B. Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus) zu verstehen.
Demokratische Fähigkeiten zu entwickeln, etwa: zuhören, argumentieren, Kompromisse eingehen, Mehrheitsentscheidungen akzeptieren, Minderheitenrechte achten.
Politische Teilhabe wahrzunehmen, also eigene Interessen zu vertreten, aber auch Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen.
Zivilcourage zu zeigen und Diskriminierung, Extremismus und Gewalt entgegenzutreten.
Wichtig ist, dass Demokratie nicht nur als Theorie vermittelt wird, sondern erlebbar wird: durch Mitbestimmung, Schülervertretungen, offene Diskussionen und gemeinsames Gestalten.
Wie weit da unsere Schulen gerüstet sind bzw. das ganze System, wage ich in Frage zu stellen.
Demokratiebildung beginnt nicht in dieser einzelnen Stunde, sie beginnt im Bildungswesen ganz wo anders: beim Umgang mit LehrerInnen durch die Schulaufsicht. Da gibt es viele offene Baustellen, das System ist nach wie vor hoffnungslos veraltet und irgendwo zwischen 1955 und 1983 steckengeblieben. Und demokratisch, auf Mitbestimmung ausgerichtet, ist es schon gar nicht.
1https://igpb.at/
Zur Einführung des neuen Gegenstandes Demokratiebildung in der Unterstufe.
Von Timo Brunnbauer
(Bild: Marco Verch)
Auf großes Interesse stieß die Ankündigung des Bundesministers Wiederkehr, ein neues Fach namens Demokratiebildung einzuführen, nicht wirklich. Wieso das? Ganz einfach deshalb, weil es zwar schon im Frühsommer 2025 klar war, dass dieser Gegenstand kommen solle, doch mangels Details bekam man nicht viel von den Plänen mit.
Mitte September, im Arbeitsweltmuseum Steyr.
Der (Noch)Generalsekretär des Ministeriums, Martin Netzer, war Gast bei der Jahrestagung der IGPB (Interessensgemeinschaft Politische Bildung)1. Ich war eher zufällig anwesend, um ein bisschen über die Politische Bildung an einer PTS bei dieser Tagung zu erzählen.
Somit konnte ich aber ungefiltert den tatsächlich interessanten Ausführungen des höchsten Beamten im UR-Ministeriums zur Sache lauschen.
Was ist geplant?
Bildungsminister Wiederkehr liebt seine Leuchtturmprojekte, das ist als frisch gebackener Minister nur allzu verständlich. Bisher ist neben dem Handyverbot an der Unterstufe und der Streichung hunderter Erlässe noch nicht so rasend viel passiert. Das meiste, was noch kommen soll, wurde bisher lediglich schwammig angekündigt und bedarf noch einer Umsetzung (Schulpsychologie, besondere Unterstützung schwieriger Schulstandorte).
Wir wissen vom Spardruck, wir wissen, dass alle Ministerien einsparen müssen.
Ein neues Fach wird allerdings etwas kosten, der Gegenstand – wenn es so kommt, wie geplant – ganz sicher.
Das Fach Demokratiebildung soll als zusätzliche Stunde in der 5. Schulstufe implementiert werden. Das bedeutet, dass kein anderes Fach in der ersten Klasse der Sekundarstufe gekürzt wird. Das sind doch schon einmal Good News.
Zusätzlich zu dieser Stunde wird es eine Projektwoche zum Thema Demokratie/Partizipation etc geben. Wie dieses Vorhaben konkret ausschauen soll, ist noch Gegenstand von Diskussionen.
Die Inhalte des Gegenstandes werden erst entwickelt, ein großes Vernetzungstreffen des Bildungsministeriums mit AkteurInnen der PolBil bzw. LehrerInnenvertretern gibt/gab es am 15. Oktober. Dabei werden/wurden Rahmenbedingungen diskutiert.
Wer soll diesen Gegenstand unterrichten? Es steht allen LehrerInnen offen, sich einzubringen. Generalsekretär Netzer betonte mehrmals, dass die Vermittlung nicht bei Geschichtslehrkräften hängenbleiben soll. Ebenso darf das Fach Demokratiebildung nicht ein Ableger des Sozialen Lernens (also eine Art KV-Stunde) werden.
Der Gegenstand soll im Schuljahr 2027/28 eingeführt werden. Um einen gelungenen Start zu ermöglichen, wird es im kommenden Jahr Fortbildungsveranstaltungen an den PHs geben. Ein eigener Lehrgang ist vorerst nicht angedacht.
In der anschließenden Diskussion mit den Mitgliedern der IGPB (eben allesamt ExpertInnen auf dem Gebiet der PolBil) war eine grundsätzlich positive Haltung zum geplanten Gegenstand bemerkbar. Manche KollegInnen würden sich wünschen, Demokratiebildung erst in der 8. Schulstufe zu unterrichten, da die Kinder dann schon dem Wahlalter näher wären. Andere meinten, dass das Fach gar kein klassischer Unterrichtsgegenstand werden solle. Sie wären für ein spielerisches, noch „unbelastetes“ Erlernen bzw. Einüben demokratischer Grundregeln in spielerischer Form. Sie sprachen sich für einen frühen Start des Fachs in der 5. Schulstufe aus.
Martin Netzer meinte auch, dass es eine gute Idee wäre, den Gegenstand als Verbindliche Übung anzubieten, also ohne Benotung.
Weitere Einwände und Meinungen wurden kundgetan, auch im Hinblick der Weiterbildung von Lehrkräfte. Martin Netzer betonte mehrmals, das alles noch Work in Progress sei – nichts sei in Stein gemeißelt. Er verwies auf das Auftaktmeeting am 15. Oktober.
Ein eigenständiger Gegenstand Demokratiebildung ist zu begrüßen, wir wissen um die Defizite in dieser Hinsicht bei unseren SchülerInnen.
Die Theorie besagt zur Thematik:
Demokratiebildung bedeutet die Erziehung, Bildung und Befähigung von Menschen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, zu demokratischem Denken und Handeln.
Es geht also darum, dass Menschen lernen:
Werte und Prinzipien der Demokratie (z. B. Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus) zu verstehen.
Demokratische Fähigkeiten zu entwickeln, etwa: zuhören, argumentieren, Kompromisse eingehen, Mehrheitsentscheidungen akzeptieren, Minderheitenrechte achten.
Politische Teilhabe wahrzunehmen, also eigene Interessen zu vertreten, aber auch Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen.
Zivilcourage zu zeigen und Diskriminierung, Extremismus und Gewalt entgegenzutreten.
Wichtig ist, dass Demokratie nicht nur als Theorie vermittelt wird, sondern erlebbar wird: durch Mitbestimmung, Schülervertretungen, offene Diskussionen und gemeinsames Gestalten.
Wie weit da unsere Schulen gerüstet sind bzw. das ganze System, wage ich in Frage zu stellen.
Demokratiebildung beginnt nicht in dieser einzelnen Stunde, sie beginnt im Bildungswesen ganz wo anders: beim Umgang mit LehrerInnen durch die Schulaufsicht. Da gibt es viele offene Baustellen, das System ist nach wie vor hoffnungslos veraltet und irgendwo zwischen 1955 und 1983 steckengeblieben. Und demokratisch, auf Mitbestimmung ausgerichtet, ist es schon gar nicht.
1https://igpb.at/
